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Doubs

Fliegenfischen am Doubs

Sind Sie heute schon gel�utert worden?

Thomas Vogt, 17.11.07

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Ich mache mir oft Gedanken, wie ich am Wochenende meine Lieblingsfische, die �schen, �berlisten kann. An meinem heimischen Fluss ist das nicht so schwierig, da ich dort jeden Stein kenne. Aber in diesem Jahr freute ich mich besonders auf einen Fluss, der als einer, der am schwersten zu befischenden Fl�sse in Europa gilt.

 

Bild1  Doubspanorama bei Tariche

Bild2  Forellenpirsch

 

Schon der große Charles Ritz hat sich damals an den hier sehr zahlreich vorkommenden Äschen und Forellen versucht. Man kann es in seinem Buch "Erlebtes Fliegenfischen" nachlesen.

Als einer meiner Angelfreunde Gottfried (Fred) und ich 1998 zum ersten Mal durch eine Einladung von Toni Zulauf zum alljährlich von ihm veranstalteten „Charles Ritz Gedächtnisfischen“ von diesem Fluss hörten, glaubten wir zuerst nicht, was wir hörten.

Der Doubs ist ein ca. 10-30 m breites Flüsschen in der französischen Westschweiz im Kanton Jura. In einem langgezogenen Bogen besucht der Fluss aus Frankreich kommend die Schweiz für ca. 40 km. Enge schattige Felsschluchten mit wilden Rauschen wechseln sich mit langen flachen Rieselstrecken und tiefen dunkelgrüngefärbten Gumpen ab, umgeben von buntblühenden Weiden oder dichten Mischwäldern. Diese 40 km zählen zu den aufregendsten und schönsten Angelgewässern in Europa.

 


Bild03  Grün, grüner Doubs

 

Hier am Doubs gibt es auch noch eine endemische Bachforellenart (endemisch: begrenztes Vorkommen von Pflanzen und Tieren in einem abgrenzten Bezirk). Diese Art zeichnet sich durch drei graue Streifen, besonders große Augen und den fehlenden (für Bachforellen typischen) roten Punkten aus. Ein einheimischer Fischer, dem wir an einem Tag begegneten, hatte das Glück eine dieser selten gewordenen Forellen gefangen zu haben. Wir konnten sie fotografieren.

 


Bild04      Doubsforelle mit  typischen schwarzen Streifen

 

Leider gibt es immer weniger reinrassige Tiere dieser Art. Hoffen wir, dass es Ihr nicht genauso ergeht, wie mit einigen anderen wilden Arten, da sie durch die Vermischung mit der normalen Bachforelle doch stark in Bedrängnis gekommen ist. Wir konnten uns aber überzeugen, dass zumindest der ortsansässige Angelsportverein, sich die größte Mühe gibt, das Vorkommen der Doubs-Forelle zu unterstützen. Eigens zu diesem Zweck wurde ein Bruthaus in St. Ursanne gebaut in dem Brütlinge von Laichfischen aufgezogen werden konnten. Der Verein trägt die gesamten Kosten aus eigener Tasche und ist natürlich auf Sponsoren und Spenden angewiesen, da keine Unterstützung durch den Kanton unternommen wird. Im Bruthaus können bis zu 200.000 Eier erbrütet werden. Hoffen wir also, dass es die Doubs-Forelle noch lange genug geben wird.

 

Der Fluss ist an den weitaus meisten Strecken absolut naturbelassen. Nur in den Ortschaften hat man ihn etwas in seinem Bett eingezwängt. Aber selbst hier ist sein Bild noch wunderschön. Obwohl man im glasklaren Wasser bis zu 2m tief sehen kann, ist der Fluss unglaublich nahrungsreich.

Man merkt das spätestens zwei Minuten nach der Ankunft, wenn man das rege Treiben der Insekten am Ufern und über der Wasseroberfläche beobachtet. An manchen warmen Tagen ist der Himmel voll mit Wolken von Eintagsfliegen, Köcherfliegen (abends), Kriebelmücken und einer sehr großen Anzahl von dicken Steinfliegen (die großen Perla-Arten). Wenn man bei Niedrigwasserstand im Uferwasser Steine umdreht, bekommt man so langsam eine Vorahnung, dass es hier schwierig ist, mit Fliegenimitationen einen Fisch zu überlisten. Am Bachgrund tobt das Leben. Massen von Steinklammerern, Steinfliegenlarven, Bachflohkrebsen, Köcherfliegen in ihren filigranen Köcherbauten (hier meist aus Steinen wg. der starken Strömung) und viele andere Arten sorgen dafür, dass die Fische nur das Maul aufmachen müssen, um satt zu werden mit natürlicher Nahrung. Groppen, Schmerlen und Schwärme von kleinen Elritzen machen wahrscheinlich auch die dickste Forelle satt.

 


Bild05        Elritzen (aufgenommen mit Nikon F90X im Unterwassergehäuse)

 

Nach den ersten Stunden des Fischens im glasklaren Wasser des Doubs, hatten wir dann aber das Gefühl, dass die Äschen, die man hier auf Sicht befischen kann, ihr Maul nie aufmachten. Unser komplettes Sortiment an sorgfältig gebunden Fliegen wurde verschmäht. Die großen Grundäschen ignorierten lange Zeit alles, was wir Ihnen genau vor die Nase warf, bis wir zunächst an unserem Glück zweifelnd aufgaben und erst mal ein ordentliches Abendessen zu uns nahmen.

 


Bild06       Fred verzweifelte kurzzeitig an einer großen Grundäsche

 

Beim Abendessen mit Gottfried direkt am Ufer besuchte uns dann Urs Dublin, der Inhaber des Angelgeschäftes im kleinen verschlafenen St. Ursanne. In seinem Geschäft bekommt man alles, was man zum Fischen am Doubs braucht, ob das Tageskarten, Fliegen, Fliegenbindematerial (CDC in 1A-Qualität!), Köder aller Art oder eben der entscheidende Tipp für den heutigen Tag ist. Gegenüber des Geschäftes sind ein kleiner Supermarkt und nebenan eine weithin duftende Bäckerei und eine Metzgerei, in denen man sich alles Notwendige für den Tag kaufen kann. In St. Ursanne findet man auch eine Post, eine Bank und natürlich eine Tankstelle, an der man auch für einen wirklich günstigen Preis platte Reifen repariert bekommt. In diesem Jahr ließ mich mein rechter Hinterreifen im Stich, da ich mir irgendwo gleich zwei Nägel auf den holprigen Schotterpisten entlang des Ufers eingefangen hatte.

 

 

Bild07       Weißes Wasser

 

Urs lächelte verschmitzt, als wir ihm von den sturen Äschen erzählten und sagte einfach, wir sollten jetzt während des Sommers den Abendsprung während der Dämmerung abwarten und zeigte uns seine Fliegendose mit sehr fein und spärlich gebundenen "Jurasienne" Fliegen (Bauweise ähnlich wie CDC-Ratzfaz, nur noch einfacher zu binden!). Diese Fliegen sind sehr spärlich gebundene CDC-Fliegen in Größe 14-20. Als er mir ein paar dieser Fliegen schenkte, war ich noch skeptisch, ob das alles so funktionieren würde nach meinen Erfahrungen vom Tage.

Plötzlich wurden wir durch ein Platschen an der Wasseroberfläche auf die inzwischen munter nach den in Massen schwärmenden Eintagsfliegen und Kribbelmücken steigenden Fische aufmerksam.

 


Bild08       Eintagsfliege (Ephemera danica)



Bild09     Köcherfliege

 

Jetzt ging es also wirklich los!! Wir näherten uns trotz des schwächer werdenden Lichtes sehr vorsichtig dem Ufer. Das ist am Doubs das A und O. Am besten duckt man sich hinter den dicken Steinen oder nähert sich langsam und in geduckter Haltung den Fischen. Am Doubs ist der Befischungsdruck sehr hoch, da hier auch sehr viele „Normalangler“ ihr Glück versuchen. Die gängigen Methoden sind einmal das Fischen mit dem Zapfen (Strömungsposen mit 3-10gr. mit Kettenbebleihung wg. geringerer Hängergefahr, Köder: Wurm oder Köcherfliegenlarven, Maden und Maiskörner sind nicht erlaubt) an ca. 3,60 – 4,50m langen Matchruten oder das Spinnfischen mit allen Arten von Blinkern, Spinnern und Wobblern, insbesondere Rapalla-Wobblern in 5-7 cm Länge in den Farben Regenbogen- und Bachforelle sowie Elritze.

 

Doch zurück zum Fliegenfischen:

Innerhalb von wenigen Minuten verwandelte sich der Doubs in ein Tollhaus. Überall sah man große Fische nach den auf der Wasseroberfläche tanzenden oder verunglückten Fliegen schnappen. Über der Hauptströmung flogen Tausende von Insekten stromaufwärts. Ein Milan jagte nur 10m über uns in perfekter Flugtechnik den ans rettende Ufer flatternden Steinfliegen nach. Aber wer jetzt glaubt, das wir nun Fische fingen, der hatte sich (wie auch wir) getäuscht. Es war einfach nicht zu glauben in welcher Präzision die Äschen genau das natürliche Insekt zwei Zentimeter neben unseren Imitationen nahmen. Das Grausame war, dass man, solange es das Restlicht des Tages zuließ, den Fisch genau auf seine Fliege steigen sah und er sie doch nicht nahm, sondern das echte Insekt.

 


Bild10       Thomas sucht die richtige Fliege

 

Viele vergebliche Würfe später probierten wir die kleinen oliven CDC-Fliegen von Urs aus und nun funktionierte es tatsächlich! Nach den ersten beiden verschlafenen Bissen, konnte ich endlich die erste Äsche von ca. 36 cm landen. Der Insektenschlupf hatte inzwischen seinen Höhepunkt erreicht und mit beginnender Dämmerung gesellten sich auch noch Scharen von Köcherfliegen zum schwärmenden Insektenvolk. Wenn man die Taschenlampe anmachte, glaubte man es würde schneien.

 

Nun ging es Schlag auf Schlag. Nach zwei weiteren wunderschöngefärbten Äschen von 32 und 38 cm ließ sich eine buntgetupfte Bachforelle von 32 cm überlisten. Während wir die Forelle nach dem Messen vorsichtig ins Wasser zurücksetzten, erweckte ein sehr lautes "Plopp" im Strömungsschatten eines großen Felsens ca. 20m oberhalb meine Aufmerksamkeit. Ein "Plopp" wie es nur eine große Äsche kann, wenn sie mit ihrem Maul Fliegen von der Oberfläche schlürft. Nach vielen vielen vergeblichen Präsentationen mit meiner 4er DT mit langem Vorfach (ca. 3-4 m) mit 12er Spitze verschwand meine Fliege endlich in diesem "Plopp". Ein vorsichtiger kurzer Drill und in meinem Kescher glitzerte im fahlen Restlicht des Tages eine 44cm-Äsche. Diesen Tag werde ich nie vergessen.


 

Bild11        Große Grundäsche

 

Im Sommer ist die beste Zeit zum Fischen der späte Abend, wie wir auch dieses Jahr wieder feststellten. Fast 90% aller Fische fingen wir in dieser Zeit und nach Sonnenuntergang. Erst als wir zu hause die fertigen Dias ansahen, bemerkten wir wie viele Insekten tatsächlich unterwegs waren, wie das Bild von einem spannenden Nachtdrill einer Forelle zeigt. Die ganzen Punkte auf dem Bild sind kein Schnee; sondern Hunderte von Insekten!

 


Bild12       Drill einer Forelle bei Nacht mitten in einem Insektenschwarm

 

Kurze Zeit später war der Insektenschlupf vorbei. Das ganze Schauspiel dauerte nur ungefähr zwei Stunden. Am Wasser, auf dem nun tausende von Larvenhüllen trieben, war wieder Ruhe eingekehrt und wir machten uns im Dunkeln auf den Rückweg zu den Autos.

 

Bei einem kühlen Bier und Aldis Feuerzauber ließen wir den Tag nochmals Revue passieren, tauschten Erfahrungen aus und freuten uns auf den nächsten Tag, der ähnlich erfolgreich werden sollte, umgeben von einer Natur, die hier noch wild und romantisch ist.

 

Den nächsten Tag verbrachten Fred und ich in der „Schlucht“ in der Nähe von Soubey. Dieser Flussabschnitt des Doubs ist der wildeste im Bereich der Schweiz. Hier ist es an heißen Sommertagen auch in der Mittagszeit angenehm kühl. Man muss über große Steine klettern um an wunderschöne Angelstellen zu kommen. Festes Schuhwerk ist hier Pflicht! Sinnvoll sind Filzsohlen, am besten mit Spikes, um auf den mit grünem Moos bewachsenen Steinen maximalen Halt zu haben. In dieser Schlucht gibt es zwischen starken Rauschen, Gumpen die ca. 3m tief sind.

 

Bild13      PAUSE!!!



und Bild14    Thomas Vogt

 

In der „Schlucht“ lohnt sich auch ein Versuch am Tage jedoch nur bei niedrigem Wasserstand. Es gibt hier mehrere langgestreckte tiefe Gumpen, die viele starke Äschen beherbergen. Der Fluss, der hier teilweise eine reißende Strömung hat, schlängelt sich malerisch durch diese Schlucht und bietet hier jede Menge traumhafter Angelstellen, die eine wirkliche Herausforderung für Fliegenfischer sind. Verstecken sich doch gerade hier Forellen und Äschen mit Gardemaßen.

 


Bild15       Der Eingang zur Schlucht am frühen Morgen


und Bild16       Fred beim Drill einer Forelle 

            

Wer jetzt glaubt, dass er schnell mal zum Doubs fahren und ein paar große Salmoniden fangen kann, der irrt! Es muss wirklich alles stimmen. Der Wasserstand und das Wetter und die Jahreszeit und das Gerät und das Vorfach und die Uhrzeit und die Temperatur und die Fliege und und und...............

Wir hatten das Glück, mehrere Male ideale Bedingungen vorzufinden und so war es überhaupt erst möglich, nicht "Schneider" nach Hause zu gehen und einige der sehr selektiven Fische täuschen zu können. Man wird geläutert, wie es Toni Zulauf einmal so treffend zu mir sagte. Jetzt weiß ich, dass er recht hatte!

Aber ich glaube, dass gerade das unseren Sport erst so interessant und erholsam macht.

 

Text und Fotos:

Thomas Vogt

www.vogt-fliegenfischen.de