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Fliegenfischen auf Lachs am Mandalelva in Norwegen

schwierige Bedingungen am Lachsfluss Mandalelva

Mario, 05.12.09

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Lachsangler sind optimistische Menschen. Die Chance als Schneider (... ist ein Angler der keinen Fisch gefangen hat) nach Hause zu kommen ist bei kaum einer anderen Angelei größer. Die Momente des Triumphes sind selten und zählen dann um so mehr.

Am Freitag geht es endlich los! Nach einer freiwilligen Pause, im letzen Jahr, geht es für mich nun schon zum 6x an den Mandalelv ins südliche Norwegen. Ein handlicher Fluss, der durchaus gute Möglichkeiten bietet einen Lachs an die Fliege zu bekommen. Gewiss werden am Mandalelva eher Grilse gefangen und der Befischungsdruck ist hoch. Trotzdem liebe ich diesen Fluss, mit seiner großzügigen Streckeneinteilung, den gut lesbaren Pools und den freundlichen Vermietern unserer Bleibe direkt am Fluss. Zu fast jedem Pool kann ich inzwischen eine Geschichte erzählen und viele Fische habe ich auf dem Kies zappeln sehen.

Oft waren es die Lachse anderer Angler die an das Ufer getragen und zum Foto präsentiert wurden. Nicht dass ich mich beschweren will, hat doch in jedem Jahr mindestens ein Lachs erbarmen mit meinen Fliegen gehabt und mich glücklich gemacht. Trotzdem beginnt jede Lachstour vom neuem mit einer Spannung, die nach dem ersten gefangenen Lachs schlagartig verschwindet und für eine anhaltende Euphorie sorgt, die jegliche Pein der langen durchfischten Stunden vergessen lässt.

Shrimp FlyIn diesem Jahr bereichern einige neue Lachsfliegen meine überaus gut gefüllte Fliegendose.

 

 

Im Bild meine erfolgreichste Mandal-Fliege, eine Allys Shrimp in orange, Gr 9, davor eine Allys Shrimp – Variante mit Flügeln vom Silberfasan, in Gr 9 und eine schlichte Shrimp Fly in Schwarz-Silber-Rot, in Gr. 9. Ganz vorne rechts, eine Variante der Francis (Hier einige Francis-Muster >>>), eine Fliege (Hakengröße 14) die ich ausprobieren werden wenn keine andere Fliege erfolgreich war oder bei extremen Niedrigwasser. Die Francis ist eine der beliebtesten Lachsfliegen Island`s und wird in sehr kleinen Hakengrößen gerne gefischt.

Thunder & LightningBild 2 zeigt eine Thunder & Lightning (Gr. 9) wie sie der Berliner Lachsfliegenbinder Joachim Niklas für mich gebunden hat.

Cascade ShrimpBild 3 zeigt eine Cascade Shrimp (Gr. 10) die als eine der besten Fliegen für Atlantischen Lachs in vielen Artikeln beschrieben wird.

Wir waren also gut vorbereitet. Leider gibt es von den Fängen nur wenig zu berichten, da nur 2 Lachse von immerhin 10 Fliegenfischern unserer Gruppe gefangen wurden. Die Bedingungen waren alles andere als gut. Viel Wasser von unten und sehr viel Wasser von oben. Viel Wasser im Mandalselv hieß 120 qm/s im Minimum und 235 qm/s im Maximum. Normal sind 75 qm/s. Viele Pools ließen sich kaum beangeln und die Lachse marschierten geradewegs in den Oberlauf zu ihren Laichplätzen. Nur selten zeigte sich ein Salm an der Oberfläche. Erfahrene einheimische Lachsangler und die Fangstatistik der vorherigen Wochen berichteten von einem sehr geringen Lachsaufstieg im Mandal in diesem Jahr. Starke Schwankungen im Aufstieg werden immer wieder, an allen Lachsflüssen beobachtet. Hier einige Beispiele: Gaula: 2000/14,5 t, 2005/28,1 t Orkla : 2003/32 t, 2004/17,7 t Mandal : 2006/12,2 t, 2009/5,2 t

Über das Ausbleiben der Lachse gibt es viele Spekulationen aber nur wenige wissenschaftlich belegte Fakten. Nicht nur am Mandal, nein in ganz Norwegen waren die Ergebnisse dieser Lachssaison eher schlecht. Ein als sicher geltender Fakt, der die wilden Lachspopulationen schädigt, liegt bei der Massenhaltung von Zuchtlachsen in Käfiganlagen in den Fjorden. An diesen müssen die jungen Lachse vorbei auf ihrem Weg in den Nordatlantik. Dort werden sie von den zahlreichen Parasiten (Seeläuse) stark geschwächt oder gar getötet. Die Farmlachse werden vor den gierigen Blutsaugern mit Medikamenten geschützt aber die wilden Jungfische sind ihnen schutzlos ausgeliefert.

Ein weiterer, sich negativ auf die Lachspopulation auswirkender Faktor wird auf den Weidegründen im Atlantik vermutet. Hier gibt es erste Forschungsergebnisse die vermuten lassen, dass Kleinfische, die zur bevorzugten Hauptbeute der Lachse auf ihren Wanderungen im Nordatlantik gehören, entweder nicht mehr in ausreichender Anzahl oder Qualität als Nahrungsquelle zu Verfügung stehen. Ist das vielleicht schon ein Vorbote der Klimaerwärmung? In den nächsten Jahren werden gewiss einige Problemfelder genauer benannt werden. Fakt ist, dass der Rückgang von Menschen gemacht ist und überregionale Auswirkungen hat.

Übrigens wurden in Norwegen weitere 60 Lizenzen für neue Lachsfarmen vergeben. Ich bin leidensfähig und glaube ganz fest daran, dass das nächste Jahr wieder ein saugutes Lachsjahr wird. Dass meine Tochter einmal wilde Lachse fangen wird, daran glaube ich nicht.


Petri Heil Mario Mücke

Fangstatistiken einiger Lachsflüsse: Gaula, - Orkla, - Mandalelv, - Skjern Au, - Karup Au, - Varde Au