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Winterbarbe

Winterbarben

Mit Nymphen im Winter auf Barben angeln

Thomas Vogt, 16.12.07

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Die Forellen haben seit Oktober Schonzeit und die Äschen wollen heute auch nicht so richtig. Es ist eiskalt und das Wasser glasklar. Man kann auch an tieferen Stellen bis zum Grund sehen. Ideale Bedingungen für das Winterfischen auf Barben. Im Winter? Die sind doch im Sommer schon schwierig zu fangen! Ich sage nein. Gerade jetzt ist es nicht so schwierig. Wenn man weiß wie.



Gerade in der kalten Jahreszeit sollte man sich die Zeit nehmen und sein Gewässer ablaufen. Bei glasklarem Niedrigwasser ist es einfach, fängige Stellen auszumachen, die sonst, bei von Algen angetrübtem Sommerwasser, nur schwer zu finden sind. Auch verändert sich ein Fluß von Hochwasser zu Hochwasser. Die Gewässerkenntnis kann dir dann gerade auch im Sommer sehr hilfreich sein und dir ein Bad ersparen.

 

Bei einer solchen Flussbegehung sind mir irgendwann die großen Barbenschulen aufgefallen. Achtung, häufig werden große Nasenschwärme mit Barben verwechselt. Jetzt im Winter rotten sie sich die Barben zu großen Schwärmen zusammen. Dann tummeln sie sich bevorzugt an etwas tieferen gleichmäßig strömenden Stellen, die Ihnen aber aufgrund von z.B. Unterwasserhindernissen einen Schutz gegen die Strömung geben, um so Energie zu sparen. Zusätzlich wird hier die meiste Nahrung angespült.

 
Fangplätze

Typische Plätze sind meistens Ausläufe von tiefen Gumpen, Unterwasserfelsen oder Kanten in der Hauptströmung, Kehrwässer oder Brückenpfeiler. Meine Lieblingsstelle ist eine Brücke mit zwei großen Pfeilern. In der Mitte zwischen den beiden großen Pfeilern hat die Strömung nach einem oberhalb sehr flachen Stück  ein großes Loch ausgespült, wo man das ganze Jahr über Barben finden kann. Im Winter scheinen es jedoch deutlich mehr zu sein.



 
Service

Eine solche Stelle birgt natürlich für die Fliegenfischerei einige Schwierigkeiten. Barben muss man sehr genau anwerfen. Die Nymphe muss ihnen ideal und mundgerecht präsentiert werden. Die Fische sollten aktiv sein. Man sollte die Fische daher auf jeden Fall zunächst beobachten. Man erkennt die aktiven Fische am typischen „blitzen“. Die Fische drehen sich bei der Nahrungssuche, wenn sie mit dem Maul den Gewässergrund nach Nahrung absuchen, immer wieder auf ihre goldenen Seiten.

 

Wie stark ist die Strömung, in der die Barben stehen? Ist der Gewässergrund hindernisreich oder kiesig? Wo stelle ich am günstigsten hin, da Barben sehr scheu sind und ein falscher Tritt verscheucht den ganzen Schwarm oder lässt ihn wie auf ein unsichtbares Kommando aufhören zu fressen oder stromabwärts treiben.

Der Service erfolgt am besten stromauf und einige Meter oberhalb des Schwarms. Nur so hat die Nymphe genug Zeit in die Tiefe zu treiben. Hierzu verwendet man am besten ein langes Vorfach, angepasst an die Tiefe der Angelstelle. Die Nymphe sollte mit der natürlichen Drift der Strömung nahe am Grund bzw. über den Grund „hoppelnd“ auf die hungrigen Barbenmäuler zutreiben. Wenn man ab und zu einen Hänger hat, ist es eigentlich ideal, auch wenn so die eine oder andere Nymphe abreißen muss.

Die Nahrung der Bartelträger besteht in der Hauptsache aus Larven von Köcherfliegen, Bachflohkrebsen und anderen Grundbewohnern wie z.B. Schnecken und Blutegel. Größere Barben nehmen aber auch Brutfische, die sich ihnen unvorsichtig genähert haben.

Bevorzugte Köder sind hier die graue Goldkopfnymphe, die Peasant Tail (beschwert), die Hasenohrnymphe oder ähnliche Muster in gedeckten Farben wie braun, grau, beige oder schwarz (Hakengröße 10-14). Auch Jigs sind ganz fängig, aber mir persönlich zu unhandlich beim Werfen.

 
Gerät

Eine Barbe ist ein wahres Kraftpaket, das man nicht so leicht an die Oberfläche bekommt. Mit Ihren großen Brustflossen, die sie wie Tragflächen abspreizen, können Barben einen gewaltigen Druck nach unten zum Gewässergrund hin entwickeln. Nach dem Anschlag, der beim geringsten Zucken der Schnur erfolgen sollte, hat man erst mal das Gefühl, man hätte gerade U-96 auf tiefer Schleichfahrt an der Angel. Erst wenn die Barbe nach vielen spannenden Minuten ermüdet, kann man sie vorsichtig in Richtung Oberfläche pumpen. Doch hier geht der Tanz noch mal richtig los. Für einen solchen Drill ist eine 5er bis 6er Rute (2,70-2,90m) mit entsprechender Schwimmschnur und einer 18er-25er Vorfachspitze gerade ausreichend. Bei beschwerten oder geflochtenen Vorfächern sollte die monofile Spitze ausreichend lang sein. Die Rolle sollte zur Sicherheit ausreichend Backing erhalten, obwohl Barben keine weiten Wege bei Ihren Fluchten zurücklegen. Sollten sie aber die schnelle Rausche flussabwärts erreichen, wirst du über ein wenig mehr Backing dankbar sein und hoffentlich einen sicheren Weg stromabwärts kennen.

Den Drill sollte man auch nicht zu stark forcieren, da Haken im weichen Maul von Barben leicht ausschlitzen können.

 

Nachdem die Barbe vorsichtig vom Haken befreit wurde, wird sie mit dem Kopf voran zunächst in die Strömung gehalten und gewartet, bis sie sich von selbst aus deiner Hand befreit. Es ist ein schöner Anblick, wenn sie sich langsam wieder in die Tiefe treiben lässt.

 

Gerade diese Augenblicke sind es, die mich auch an kalten Tagen an mein Gewässer ziehen. Raff dich auf und probiere es aus! Es lohnt sich!

 

 

Text und Fotos: Thomas Vogt

www.vogt-fliegenfischen.de