Deutschlands Küstengemeinden stellen sich auf harte Entscheidungen ein, während die EU-Fischereiminister die Fangquoten für 2025 festlegen – vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Bestandskollapses in der Ostsee. Der Vorschlag der EU-Kommission, gestützt auf wissenschaftliche Empfehlungen des International Council for the Exploration of the Sea (ICES), zeichnet ein düsteres Bild: Mehrere Arten, darunter Kabeljau, Hering und Lachs, befinden sich in kritischem Zustand.
Der Plan sieht drastische Kürzungen für die am stärksten gefährdeten Arten vor. Beifänge von Westkabeljau sollen um 84 % sinken, die Fänge von Bottnischem Hering, westlichem Ostseehering und östlichem Ostseekabeljau um 62 %, 50 % beziehungsweise 63 %.
Kleinere Anpassungen sind bei Scholle und Lachs im Hauptbecken vorgesehen, während die Quoten für Sprotte und den zentralen Ostseehering unverändert bleiben. Der Lachsbestand im Finnischen Meerbusen, der sich leicht erholt hat, darf hingegen um 1 % steigen.
Das Gleichgewicht in der Ostsee wiederherstellen
Diese Beschränkungen knüpfen an den mehrjährigen EU-Managementrahmen von 2016 und an das Ziel der Gemeinsamen Fischereipolitik an, die Bestände langfristig nachhaltig zu bewirtschaften. Fischereikommissar Costas Kadis warnte, dass jahrzehntelange Überfischung, Nährstoffeinträge und eine schwache Durchsetzung des Umweltrechts die Ostsee an den Rand des Kollapses getrieben hätten; er nannte sie Europas am stärksten verschmutztes Meeresbecken.
Zu den Aufbauhilfen für die Bestände gehören eine dreimonatige Laichschonzeit für Bottnischen und zentralen Hering, eine spätere Lachssaison sowie ein Verbot der Freizeitfischerei auf gezüchteten Lachs. Diese Schritte sollen den angeschlagenen Beständen Erholung verschaffen und zugleich kleinen Küstenfischereien das Überleben sichern.
Wie dringlich die Lage ist, unterstreicht der Bericht „The Decline of Cod in the Baltic Sea“ von 2022 der Organisation FishSec, wonach die Kabeljaubestände seit Mitte der 1990er-Jahre durch Sauerstoffmangel und Habitatverlust eingebrochen sind.
Ohne entschlossene Maßnahmen zur Erholung werde sich der Kabeljau womöglich nie wieder erholen, warnt die Studie. Was als Nächstes passiert, entscheidet darüber, ob die deutsche Ostseefischerei überleben kann – und ob eines der fragilsten Meeresökosysteme Europas eine Chance auf Heilung bekommt.